Der Niedergang der SPD

Im Moment steht die Große Koalition kurz vor dem Abschluss des Koalitionsvertrages. So wie es aussieht, wird die SPD an vielen Positionen so weit nachgeben, dass von den Kernforderungen nicht mehr viel übrig bleiben wird. Zudem wird Frau Merkel mal wieder eine Steilvorlage gegeben, um den Juniorpartner in ihren Koalitionen für unbeliebte Entscheidungen verantwortlich zu machen. Beispiele sind hier die Vorratsdatenspeicherung und auch die Autobahnmaut:
Vorratsdatenspeicherung: Mit Schwarz / Gelb wäre das nicht passiert, also muss die SPD wohl Schuld sein.
Autobahnmaut: Angela Merkel hat sich klar dagegen ausgesprochen, da es dennoch kommt haben wohl SPD und CSU das so durchgesetzt.

Wenn das so weiter geht, wird die SPD bei der nächsten Wahl unter 20% erhalten, und damit wäre der Niedergang der SPD weiter vorangeschritten. Dennoch wird die SPD Führung diese Koalition wohl eingehen und ich fürchte, dass die Basis auch zustimmt, denn eine SPD muss ja geschlossen auftreten. Das war der SPD schon immer sehr wichtig, in allen Ebenen.

Die SPD Führung sieht aber scheinbar die Realität nicht. In seiner Rede auf dem SPD Parteitag im November sagte Sigmar Gabriel:

„Aber scheinbar bedarf es neben der sozialen Kompetenz der SPD auch einer deutlich stärkeren Wirtschaftskompetenz unserer Partei. Ohne die werden wir nicht erfolgreich sein. Offenbar reicht dazu ein Spitzenkandidat nicht aus, der diese Wirtschaftskompetenz ja wie kein anderer in unserer Partei personifiziert und darstellt.“ (Quelle)

Glaubt Herr Gabriel das wirklich? Ist er schon so sehr der Realität entrückt?

Peer Steinbrück hat Wirtschaftskompetenz, das ist jedem klar, auch vielen Wählern. Aber er stand in der Vergangenheit eben nicht für soziale Gerechtigkeit und „soziale Kompetenz“. Ganz im Gegenteil, Peer Steinbrück ist mitverantwortlich für die großen Löcher in der Agenda 2010, die zu großer sozialer Ungerechtigkeit geführt haben (Zeitarbeit, Lohndumping, Altersarmut, …). Zudem steht Peer Steinbrück für eine große Koalition, in der er ja nach eigener Aussage gut gearbeitet hat. Wenn sich so ein Politiker in den Wahlkampf stürzt und eine Große Koalition ausschließt und für mehr soziale Gerechtigkeit wirbt, dann ist das schlicht unglaubwürdig – egal ob er das ernst meinte oder nicht.

Wählt man eine Partei, die einen Kandidaten aufstellt, den man für unehrlich hält? Natürlich nicht, das würde niemand machen. Vor allem wenn die Alternative Angela Merkel ist, die ja gar keine Standpunkte hat, und damit auch nicht so viele Angriffspunkte hat.

Die SPD braucht einen Neuanfang, der große Teil der SPD Führung muss weg, damit man endlich auch in den Medien gegen die Löcher in der Agenda 2010 Stellung beziehen kann und dabei auch Glaubhaft wirkt. Zumindest müssen also Peer Steinbrück, Frank Walther Steinmeier und Sigmar Gabriel zurücktreten, da diese maßgeblich für diese Politik der SPD verantwortlich sind.

Aber was dann? – Das ist sicherlich eine berechtigte Frage. Ich gehe nicht davon aus, dass Verhandlungen zwischen den Grünen und der CDU/CSU erfolgreich wären, daher würde es zu Neuwahlen kommen. Bei diesen Wahlen würde die CDU/CSU wahrscheinlich die Absolute Mehrheit erlangen, da man zu Recht SPD und Grüne für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich machen würde. Aber das wären 4 Jahre, die neue Gesichter in der SPD Zeit hätten, sich durch echte Opositionspolitik in das richtige Licht zu rücken. 4 Jahre, in denen man auch Wähler, die zu den Linken abgewandert sind zurückgewinnen könnte, Frustrations-Nichtwähler wieder an die Wahlurnen. – Vieleicht würde es so sogar gelingen, gegen eine schwarze Alleinregierung eine Wechselstimmung zu erzeugen.

Moral in Deutschland

Immer wiedeer wird in Deutschland gefragt, ob wir einen moralischen Verfall in der Wirtschaft haben, die zu den vielen Problemen führen. Diesen Verfall kann ich zwar durchaus erkennen, es wäre aber zu einfach, wenn man hier einfach auf die bösen Wirtschaftsbosse einhacken würde. Es geht hier eher um einen moralischen Verfall der Gesellschaft an sich.

Schon in meiner Kindheit, also in den Achtziger Jahren, war eigentlich jedem klar, dass wir in einer so genannten Ellbogengesellschaft leben würden – also in einer Gesellschafft, in der man sich gegen seine Mitmenschen durchsetzen muss. Also war damals eigentlich schon jedem bewusst, dass unsere Gesellschaft eben nicht das Gemeinsame fördert, sondern eben den Egoismus. Heute sind genau die Menschen, die mit mir groß geworden sind, erwachsen, und selbstverständlich sind sie genau das, sie sind egoistisch und stellen ihre eigene Interessen weit über die Interessen der Gesamtheit.

Natürlich gibt es auch heute noch viele moralische Menschen und viele Menschen, die sich für die Gemeinschaft aufopfern, aber das wird von der Gesellschaft eben viel zu wenig anerkannt. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das. Vergleichen wir doch einmal einen BWL Absolventen mit einem Absolventen der Sozialwissenschaften. Der BWL Student hat sein Studienfach im Normalfall auch wegen der guten Verdienstmöglichkeiten gewählt, der Sozialwissenschaftler wegen einer sozialen Ader, er möchte etwas für die Gesellschaft tun. Nach dem Abschluss arbeitet der BWL Absolvent in der freien Wirtschaft und wird nach wenigen Jahren ein Jahresgehalt von 50.000 bis 60.000 € haben. Der Sozialwissenschafts Absolvent wird in den öffenlichen Dienst gehen und immer wieder nur befristete Arbeitsverhältnisse haben. Er wird auch nach vielen Jahren Berufserfahrung nur auf ein Einkommen von 30.000 bis 35.000 € kommen, damit liegt er noch unter dem Durschschnittsgehalt von Nicht-Akademikern.

Aber auch wenn man das Gehalt einmal außen vor lässt und einmal auf das Ehrenamt schaut, so bekommen auch Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, immer weniger Anerkennung und werden sogar insgeheim belächelt. Ich war in vielen Vereinen aktiv und ein Problem hatten alle diese Vereine: Es gab Probleme die Vorstandposten zu besetzen, weil man die Vereinsleistungen gerne nutzen wollte, aber sich eben nicht ehrenamtlich engagieren.

Der Zerfall der Moral ist also schon extrem tief in der Gesellschaft verwurzelt. Es ist aber eben nicht nur die gehobene Mittelschicht und die Oberschicht, an der man diesen Zerfall feststellt, sondern eben auch die Unterschicht. Auch ein ALG2 Empfänger wird sich, der sich fragt, warum er 40 Stunden pro Woche arbeiten soll, nur um 10 € im Monat mehr zu haben als den ALG2 Satz, denkt eben sehr egoistisch, da er als ALG2 Empfänger der Gesellschaft zur Last fällt, als Arbeiter zu einem extrem kleinen Gehalt aber nicht mehr oder nur noch in einem geringen Maß.

Ich habe als Kind und Jugendliher immer wieder gehört, dass Menschen eben so sind und das die kapitalistische Gesellschaft eben nichts anderes ist, als eine Abbildung der Menschlichen Natur. Ich persönlich habe meine Hoffnung in die Menschheit aber noch nicht verloren. Man erkennt an kleineren Gesellschaften, wie nomadischen Kulturen oder auch einfachen Dorfgemeinschaften, dass ein großer Teil der Menschen sich in Gemeinschaften integrieren können. Ich glaube auch nicht an utopische Zustände, in denen jeder seine eigenen Interessen dem Gemeinwohl unterordnet, aber ich glaube sehr wohl daran, dass es eine bessere Gesellschaft geben kann. Eine Gesellschaft muss Menschen, die sich für sie aufopfern eben besser belohnen als Menschen, die eben nichts fr die Gesellschaft tun.

Wie kann man aber diese Wandlung erreichen? Das wird sicherrlich ein sehr schwieriger Prozess. Zunächst einmal müsste man viel mehr Geld in Erziehung und Bildung investieren, damit die Kinder für eine bessere Gesellschaft vorbereitet werden, denn unsere kinder werden diese Gesellschaft gestalten. Dazu müsste man aber vermeiden, dass die derzeitige Oberschicht ihre Kinder aus diesem System heraushält, also Privatschulen vermeiden, bei guten staatlichen Einrichtungen sind private Einrichtungen aber auch nicht mehr nötig. Kinder würden so mehr Tolleranz und Nächstenliebe lernen und eben nicht den auf eine kompetitive Gesellschaft eingeschworen.

Der nächste Schritt müsste dann zu einer Belohnung der gesellschaftlichen Arbeit führen. Dazu müsste man natürlich alle gesellschaftlichen Berufe attraktiver gestalten (Pflegeberufe, Erzieher, aber auch Polizei und Verwaltung, …). Das ist nicht ohne eine steuerliche Umvereteilung möglich. Aber das bedeutet nicht zwingend, dass man all diese Dinge staatlich organisieren muss und sich so einen großen Staatsapparat schaffen muss, man sollte zum Beispiel auch die Gründung von Non Profit Organisationen fördern (Vereine, gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, …).

Aber ich mache mir nichts vor, ich bin überzeugt, dass ein gesellschaftlicher Umbruch so immer noch viele Jahre dauern würde. Gesellschaften rechnen nicht in Jahren, sondern in Generationen.

Soziale Marktwirtschaft – Haben wir die eigentlich?

Theoretisch haben wir in Deutschland eine Soziale Marktwirtschaft, also ein Wirtschaftssystem, das irgendwo zwischen der freien Marktwirtschaft (wie in den USA) und der Planwirtschaft (wie in der ehemaligen Sowjetunion) steht. Aber wo genau steht sie denn eigentlich?

Aber wo genau stehen wir mit unserer Sozialen Marktwirtschaft eigentlich? Haben wir eine Planwirtschaft mit ein Wenig Privateigentum oder eine Freie Marktwirtschaft mit einigen sozialen Aspekten? Ich denke mal, wenn man Ludwig Erhard fragen würde, so hatte er schon beabsichtigt, dass die soziale Marktwirtschaft in etwa in der Mitte zwischen den Systemen liegen sollte, also einen echten Kompromiss darstellen sollte.

Es gab viele staatliche Unternehmen, wie die Post oder die Bahn, viele Pflichten für die Bürger, wie Sozialabgaben und hohe Steuern. Märkte waren streng reglementiert und Banken streng überwacht. Der Wirtschaft wurden einige Mittel an die Hand gegeben, um sozial zu handeln, zum Beispiel die zuletzt viel gelobte Kurzarbeit. Aber das waren nur Gesetze und diese müssen von den entsprechenden Leuten erst einmal angenommen werden – und das wurden sie.

Ich kann zwar nicht viel zu der Steuer- und Abgabenmoral damals sagen, das sollen Sozialhistoriker tun, aber aus Erzählungen von meinen Eltern und Großeltern kann ich etwas zur Unternehmenskultur damals sagen. Wenn man früher einen Mitarbeiter eingestellt hat, dann hatte man die Absicht diesen auch für lange Zeit zu beschäftigen. Selbst Unternehmen, die extrem Saisonabhängig sind, wie die Baubranche, haben damals von Saison zu Saison mit den gleichen Mitarbeitern geplant, obwohl diese über den Winter nicht beschäftigt waren. Große Unternehmen haben ihren Mitarbeitern sogar günstigen Wohnraum in Firmeneigenen Siedlungen zur Verfügung gestellt – Immobilien waren damals noch eine begehrte Geldanlage für Unternehmen und so hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber auch die Mitarbeiter haben sich festgelegt. Sie fühlten sich ihrem Arbeitgeber zumeist loyal ergeben und haben so oft auch weit mehr getan, als im Arbeitsvertrag gefordert war. Die Größe eines Unternehmens wurde damals in der Anzahl ihrer Mitarbeiter gemessen. Emanzipation war noch in weiter Ferne, aber ein Arbeiter war in der Lage eine mehrköpfige Familie zu ernähren und sogar noch gelegentlich in den Urlaub zu fahren.

Vergleicht man das mit der heutigen Situation kann man eigentlich nicht mehr davon reden, dass wir noch eine Soziale Marktwirtschaft haben. Niemand zahlt gerne Steuern, die Sozialabgaben werden alslästig empfunden und man versucht sie zu vermeiden. Das geht rechtlich heute auch schon sehr früh. Mitarbeiter werden heute als reine Vertragspartner betrachtet, meist beruht das auf Gegenseitigkeit. Saisonarbeiten werden per Hire-And-Fire über Zeitarbeit geregelt. Mitarbeiter wohnen zumeist weit vom Arbeitsplatz weg, da eine gute Anbindung der Mitarbeiter kein Kriterium mehr für eine Standortwahl ist. Firmen werden nach ihrem Börsenwert bewertet und da ist es vorteilhafter weniger Mitarbeiter zu haben. Dass ein Arbeiter heute eine Mehrköpfige Familie ohne staatliche Zuschüsse ernähren kann ist auch eher unwahrscheinlich, an Urlaub ist da gar nicht zu denken.

Außerdem sind viele staatlichen Unternehmen inzwischen privatisiert. Das mag in vielen Fällen zwar sinnvoll sein, aber die negativen Auswirkungen einer übereifrigen Privatisierung kann man in Städten wie Köln gerade gut sehen, wo die Mieten explodieren und ehemals landeseigene Sozialbauten heute bei horenden Mieten langsam verwahrlosen. Märkte werden dereguliert, Banken weniger überwacht.

Es mag also sein, dass wir nach der Meinung Vieler noch immer eine Soziale Marktwirtschaft haben, weil wir eben noch keine amerikanischen Zustände haben, aber die Soziale Marktwirtschaft der Sechziger Jahre haben wir ganz sicher auch nicht mehr.

Gedanken zum Sexismus

Zur Zeit scheint es kaum ein anderes Thema zu geben als das deutsche Sexismus“problem“. Irgend ein FDP Polit-Rentner hat Einen über den Durst getrunken und an einer Hotelbar eine Journalistin plump angemacht und schon kommen sie aus ihren Löchern gekrochen: Der Fem-Mob alla Alice Schwarzer und Co. Und schon heißt es: Deutschland hat ein Problem. Die Medien stürzen sich mit Wonne auf dieses Thema, scheinbar ist zur Zeit nicht viel los in Deutschland.

Aber immerhin hat es bei mir dafür gesorgt, dass ich mir viele Gedanken über dieses Thema gemacht habe und gerade auch die Meinungen von Frauen angehört habe. Dabei bin ich zu einigen Erkenntnissen gekommen, habe einige offene Fragen, aber habe im Grunde meine bisherige Meinung nicht wesentlich geändert. In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken einfach Mal niederschreiben, auch um sie zu sortieren. Vieleicht liest es ja auch der Ein oder Andere.

Das Problem, was sich in den letzten Tagen gezeigt hat, ist, dass scheinbar jeder Sexismus für sich anders definiert. Darum möchte ich genau damit anfangen, mit meiner Definition von Sexismus.

Wikipedia sagt zu dem Thema: „Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu.“

Im Großen und Ganzen trifft das meine bisherige Definition. Es ist ja klar, dass Männer und Frauen nicht gleich sind. Frauen fehlt die Vorrichtung, um im Stehen zu pinkeln und Männer können einfach keine Kinder kriegen. Da auch unsere Gefühle und Denkweisen letztlich nur biologische Abläufe im Körper sind, wäre es vermessen zu behaupten, dass es nicht auch hierbei Unterschiede gibt. Wenn man aus diesen Unterschieden aber eine soziale Komponente ableitet und aus diesem Grund diskreminiert, dann ist es Sexismus. Da das Wort Sexismus direkt vom Rassismus abgeleitet wurde, der ja besagt, dass es minderwertige und höherwertige Rassen gibt, würde ich Sexismus auch genau so extrem definieren. Ich spreche also erst dann von Sexismus, wenn Männer Frauen als minderwertig betrachten, sie aufgrund ihres Geschlechts nicht Ernst nehmen. Alles Andere heiße ich zwar nicht gut, aber dafür gibt es andere Begriffe.

Die Bildzeitung (wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet die Bildzeitung in meinem ersten Artikel verlinke) hat einige prominente Frauen gefragt, wie sie Sexismus definieren:

Jeanette Biedermann: „Es ist die Aufgabe der Männer, sensibel darauf zu achten, eine Frau nicht zu belästigen. Und es die Aufgabe der Frauen, den Männern dafür dezente Signale zu geben.“
Frau Biedermann, ich als Mann kann dazu nur sagen: Wir Männer haben oft Probleme diese „denzenten Signale“ richtig zu deuten, warum nicht einfach klar sagen was Sache ist, das hilft oft eher.

Désirée Nick: „Sexismus beginnt da, wo die Chemie nicht stimmt und der Flirt nicht auf Gegenseitigkeit beruht – hier zeigt sich jeder Mangel an Feingefühl.“
Frau Nick, ich würde das ja eher als Mangel an Feingefühl definieren. Wenn Sie Recht hätten würde bald kein Mann mehr versuchen von sich aus mit Frauen zu flirten.

Veronica Ferres: „Ein netter Flirt ist in gegenseitigem Einvernehmen charmant, spielerisch und respektvoll. Belästigung wird es bei jeglicher Überschreitung persönlicher Grenzen.“
Richtig Frau Ferres, aber was hat das mit Sexismus zu tun?

Annabelle Mandeng: „Wäre ich Herrn Brüderle halb privat an einer Hotelbar begegnet, hätte mit ihm getrunken und dabei ein anzügliches Kompliment kassiert, weil ich sexy aussah, hätte ich das sicher nicht toll gefunden, da sich unsere Politiker möglichst vorbildlich verhalten sollten, wie ich finde. Als einen sexistischen Skandal empfinde ich das aber wirklich nicht, vor allem nicht in so einem Zusammenhang, eher als peinlich. Herr Brüderle sollte sich besser beraten lassen und solche Gelegenheiten vermeiden, wenn sich bei ihm durch Alkoholkonsum sein Politikergehirn ab- und zu einem stinknormalen Männergehirn umschaltet.“
Frau Mandeng, ich kenne Sie zwar nicht, aber das ist genau meine Meinung. Herr Brüderle ist war dumm, rüpelhaft, plump, er hat die Journalistin belästigt, aber daraus abzuleiten dass er auch sexistisch ist ist reine Spekulation.

Katy Karrenbauer: „Anzügliche Blicke und Bemerkungen sind tabu! Gucken und ein Flirt sind o.k.“
Frau Karrenbauer, auch bei Ihnen frage ich mich, was das mit Sexismus zu tun hat. … und wann wird aus Gucken ein anzüglicher Blick?

Franziska van Almsick: „Es sollte in unserer Gesellschaft grundsätzlich wieder um mehr Respekt, Fairness und Miteinander gehen. Im Sport bin ich mit diesen Werten aufgewachsen, aber selbst hier müssen wir diese Werte für die Zukunft wahren.“
Frau van Almsick, das sind Werte, die ich so sofort unterschreibe.

Janine Kunze: „Als Staatsanwältin würde ich für so einen Brüderle-Spruch nicht mal ein Verfahren eröffnen. Als Frau sage ich: ,Mensch, Herr Brüderle, Komplimente gehen doch auch eleganter‘.“
Richtig, Frau Kunze, aber die Sprüche von Herrn Brüderle nur als missglückte Komplimente zu beschreiben, würde sie schon abwerten, belästigend waren sie sicherlich.

Micaela Schäfer: „Sexismus beginnt für mich, wenn man beim Anblick einer Frau an nichts anderes mehr denkt und sie nur auf ihren Körper reduziert.“
Frau Schäfer, auch wenn in Ihrer Aussage ein wahrer Kern steckt, ist es schon interessant das von einer Frau zu hören, die genau damit ihr Geld verdient.

Alexandra Kamp: „Jede halbwegs emanzipierte Frau weiß sich, bei einem nicht dramatischen Annäherungsversuch zumindest verbal zu wehren! Sexismus beginnt in meinen Augen beim sich privilegiert glaubenden Mann.“
Das denke ich auch, Frau Kamp, auch wenn einige Annäherungsversuche sicherlich unangenehm sein können, muss man darüber stehen können und verbal klar zu verstehen geben, was man denkt.

Nadja Atwal: „Sexismus ist inzwischen ein so überbenutztes wie leichtfertiges Wort wie depressiv und hat daher erheblich an seinem Wert verloren. Wenn eine Frau unterdrückt oder diskriminiert wird, dann ist es Sexismus. Alles weniger dramatische ist für mich eine Einladung zum intelligenten Kontern.“
Frau Atwal, Sie scheinen eine Frau zu sein, die weiß, was sie will und die über solchen Sprüchen wie von Herrn Brüderle drüber stehen würde. Sie haben Recht mit Ihrer Theorie, dass diese Inflation des Sexismus-Begriffes den wahren Sexismus verharmlost.

Ein Problem scheint zu sein, dass viele Frauen es unangenehm finden, wenn sie von Männern angesprochen werden, die sie selber unsympathisch finden. Wenn dieses Ansprechen dann noch plump ist, verwechseln einige Frauen das wohl mit Sexismus. Diese Frauen sollten sich einmal fragen, ob sie das ähnlich sehen würden, wenn ihr Traumtyp genau die selbe Art des Ansprechens gewählt hätte. Man könnte natürlich sagen, dass Männer, die eine Frau ansprechen, ihre Rolle so definieren, dass sie die Initiative ergreifen müssen, aber irgend jemand muss ja den ersten Schritt machen, sowohl Frauen wie auch Männer haben doch das Recht einen Menschen anzusprechen, den sie interessant finden. Ein Korb muss dann aber auch akzeptiert werden.

Eine weitere falsche Anwendung des Wortes Sexismus ist sicherlich auf Missverständnisse zwischen Männern und Frauen zurückzuführen. Man hört immer wieder, dass Männer und Frauen sich nicht verstehen würden. Diese Erfahrung mache ich auch immer wieder. Auf viele Männer wirken Reaktionen von Frauen irrational, genauso fällt es vielen Frauen schwer nachzuvollziehen, was es bedeutet mit männlichen Trieben in einer modernen Gesellschaft umzugehen. Ich lasse einmal offen, ob es dafür biologische oder soziologische Ursachen gibt, aber diese Missverständnisse führen sicherlich auch zu Äußerungen, die als Sexismus verstanden werden könnten.

Also, Frau Schwarzer und Co, sie tun den wirklich unterdrückten Frauen, die Opfer von echtem Sexismus sind, keinen Gefallen, wenn Sie jede dumme Äußerung irgendeines Mannes in der Öffentlichkeit gleich zu einem großen Sexismus-Skandal aufwerten wollen.Helfen Sie lieber den echten Opfern, die finden Sie aber wahrscheinlich nicht in der Öffentlichkeit.

Eingangs habe ich aber auch geschrieben, dass ich einige Erkenntnisse hatte, als ich anfieng mehr über Sexismus nachzudenken. Ich habe überlegt, ob ich in der Vergangenheit selber schon Sexismus erlebt habe und habe viele Situationen erlebt, die klar sexistisch waren, aber auch Situationen, wo ich mir nicht sicher bin, ob das auch Sexismus ist. Ein Freund von mir hat meine Feststellung, dass ich mich nur in Frauen verlieben würde, die mich auf irgendeine Weise beeindruckt haben, mit dem Satz geantwortet, dass er ja dann ein Problem haben würde. Diese Antwort zeigt ein tief sexistisches Frauenbild, was ich damals so noch nicht erkannt habe. Ich habe schon länger keinen Kontakt mehr zu ihm, aber ich hoffe für seine langjährige Freundin, dass er inzwischen etwas anders denkt. Das war sicherlich die klarste Konfrontation mit Sexismus, an die ich mich erinnere.

Ich habe aber auch darüber nachgedacht, ob ich schon sexistischen Frauen begegnet bin und hier gibt es noch Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ist eine Frau sexistisch, die einen Beruf wählt, nur um in diesem leichter gut verdienende Männer kennenzulernen und dann gar nicht mehr arbeiten zu müssen? Sind Frauen sexistisch, die mit den männlichen Trieben spielen, um so schneller Karriere zu machen? Gibt es in unserer Gesellschaft, die sicherlich noch lange nicht ganz emanzipiert ist, überhaupt weiblichen Sexismus? Zur Zeit kann ich diese Fragen noch nicht beantworten, aber vieleicht ist das ja ein Thema für einen anderen Artikel.

Ein neuer Blog

Endlich habe ich es getan. Die Domäne Ballastwissen.de ist jetzt schon 7 Jahre auf mich registriert, anfängliche Pläne sind sicherlich längst verworfen, aber dennoch muss die Domäne doch einmal mit etwas Content versehen werden. Aber was war einmal geplant und was ist davon übriggeblieben?

Vor einigen Jahren hatte sich in meiner Firma ein geflügeltes Wort eingeschlichen – Ballastwissen. Gemeint war damit all jenes Wissen, dass keinen Nutzen im Alltag hat, also zum Beispiel Filmzitate, usw. Ich prüfte, ob diese Domäne schon vergeben war und registrierte sie direkt für mich. Ursprünglich hatte ich vor hier eine Communityseite einzurichten, bei der sich Menschen austauschen könnten, die an solchem Ballastwissen interessiert sind. Erste Entwürfe waren schnell online und basierten noch auf Type O 3. Dann zog die Domäne aber vom Server eines Freundes auf einen 1&1 Server um und damit waren die Arbeiten erst einmal eingestellt. Die Zeit und Lust, um Type O 3 noch einmal zu installieren hattte ich nicht.

Doch inzwischen hatte ich immer wieder einen Gedanken: Einen eigenen Blog müsste man haben!

Also habe ich mich jetzt entschieden, die Domäne für einen Blog zu nutzen, der sich zwar auch mit Ballastwissen beschäftigt, aber eben auch mit anderen Themen, die mich interessieren.

Bis dahin,

euer Tyree