{"id":40,"date":"2013-07-03T23:31:59","date_gmt":"2013-07-03T21:31:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ballastwissen.de\/?p=40"},"modified":"2013-07-03T23:31:59","modified_gmt":"2013-07-03T21:31:59","slug":"moral-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ballastwissen.de\/?p=40","title":{"rendered":"Moral in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Immer wiedeer wird in Deutschland gefragt, ob wir einen moralischen Verfall in der Wirtschaft haben, die zu den vielen Problemen f\u00fchren. Diesen Verfall kann ich zwar durchaus erkennen, es w\u00e4re aber zu einfach, wenn man hier einfach auf die b\u00f6sen Wirtschaftsbosse einhacken w\u00fcrde. Es geht hier eher um einen moralischen Verfall der Gesellschaft an sich.<\/p>\n<p>Schon in meiner Kindheit, also in den Achtziger Jahren, war eigentlich jedem klar, dass wir in einer so genannten Ellbogengesellschaft leben w\u00fcrden &#8211; also in einer Gesellschafft, in der man sich gegen seine Mitmenschen durchsetzen muss. Also war damals eigentlich schon jedem bewusst, dass unsere Gesellschaft eben nicht das Gemeinsame f\u00f6rdert, sondern eben den Egoismus. Heute sind genau die Menschen, die mit mir gro\u00df geworden sind, erwachsen, und selbstverst\u00e4ndlich sind sie genau das, sie sind egoistisch und stellen ihre eigene Interessen weit \u00fcber die Interessen der Gesamtheit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch heute noch viele moralische Menschen und viele Menschen, die sich f\u00fcr die Gemeinschaft aufopfern, aber das wird von der Gesellschaft eben viel zu wenig anerkannt. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das. Vergleichen wir doch einmal einen BWL Absolventen mit einem Absolventen der Sozialwissenschaften. Der BWL Student hat sein Studienfach im Normalfall auch wegen der guten Verdienstm\u00f6glichkeiten gew\u00e4hlt, der Sozialwissenschaftler wegen einer sozialen Ader, er m\u00f6chte etwas f\u00fcr die Gesellschaft tun. Nach dem Abschluss arbeitet der BWL Absolvent in der freien Wirtschaft und wird nach wenigen Jahren ein Jahresgehalt von 50.000 bis 60.000 \u20ac haben. Der Sozialwissenschafts Absolvent wird in den \u00f6ffenlichen Dienst gehen und immer wieder nur befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse haben. Er wird auch nach vielen Jahren Berufserfahrung nur auf ein Einkommen von 30.000 bis 35.000 \u20ac kommen, damit liegt er noch unter dem Durschschnittsgehalt von Nicht-Akademikern.<\/p>\n<p>Aber auch wenn man das Gehalt einmal au\u00dfen vor l\u00e4sst und einmal auf das Ehrenamt schaut, so bekommen auch Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, immer weniger Anerkennung und werden sogar insgeheim bel\u00e4chelt. Ich war in vielen Vereinen aktiv und ein Problem hatten alle diese Vereine: Es gab Probleme die Vorstandposten zu besetzen, weil man die Vereinsleistungen gerne nutzen wollte, aber sich eben nicht ehrenamtlich engagieren.<\/p>\n<p>Der Zerfall der Moral ist also schon extrem tief in der Gesellschaft verwurzelt. Es ist aber eben nicht nur die gehobene Mittelschicht und die Oberschicht, an der man diesen Zerfall feststellt, sondern eben auch die Unterschicht. Auch ein ALG2 Empf\u00e4nger wird sich, der sich fragt, warum er 40 Stunden pro Woche arbeiten soll, nur um 10 \u20ac im Monat mehr zu haben als den ALG2 Satz, denkt eben sehr egoistisch, da er als ALG2 Empf\u00e4nger der Gesellschaft zur Last f\u00e4llt, als Arbeiter zu einem extrem kleinen Gehalt aber nicht mehr oder nur noch in einem geringen Ma\u00df.<\/p>\n<p>Ich habe als Kind und Jugendliher immer wieder geh\u00f6rt, dass Menschen eben so sind und das die kapitalistische Gesellschaft eben nichts anderes ist, als eine Abbildung der Menschlichen Natur. Ich pers\u00f6nlich habe meine Hoffnung in die Menschheit aber noch nicht verloren. Man erkennt an kleineren Gesellschaften, wie nomadischen Kulturen oder auch einfachen Dorfgemeinschaften, dass ein gro\u00dfer Teil der Menschen sich in Gemeinschaften integrieren k\u00f6nnen. Ich glaube auch nicht an utopische Zust\u00e4nde, in denen jeder seine eigenen Interessen dem Gemeinwohl unterordnet, aber ich glaube sehr wohl daran, dass es eine bessere Gesellschaft geben kann. Eine Gesellschaft muss Menschen, die sich f\u00fcr sie aufopfern eben besser belohnen als Menschen, die eben nichts fr die Gesellschaft tun.<\/p>\n<p>Wie kann man aber diese Wandlung erreichen? Das wird sicherrlich ein sehr schwieriger Prozess. Zun\u00e4chst einmal m\u00fcsste man viel mehr Geld in Erziehung und Bildung investieren, damit die Kinder f\u00fcr eine bessere Gesellschaft vorbereitet werden, denn unsere kinder werden diese Gesellschaft gestalten. Dazu m\u00fcsste man aber vermeiden, dass die derzeitige Oberschicht ihre Kinder aus diesem System heraush\u00e4lt, also Privatschulen vermeiden, bei guten staatlichen Einrichtungen sind private Einrichtungen aber auch nicht mehr n\u00f6tig. Kinder w\u00fcrden so mehr Tolleranz und N\u00e4chstenliebe lernen und eben nicht den auf eine kompetitive Gesellschaft eingeschworen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt m\u00fcsste dann zu einer Belohnung der gesellschaftlichen Arbeit f\u00fchren. Dazu m\u00fcsste man nat\u00fcrlich alle gesellschaftlichen Berufe attraktiver gestalten (Pflegeberufe, Erzieher, aber auch Polizei und Verwaltung, &#8230;). Das ist nicht ohne eine steuerliche Umvereteilung m\u00f6glich. Aber das bedeutet nicht zwingend, dass man all diese Dinge staatlich organisieren muss und sich so einen gro\u00dfen Staatsapparat schaffen muss, man sollte zum Beispiel auch die Gr\u00fcndung von Non Profit Organisationen f\u00f6rdern (Vereine, gemeinn\u00fctzige Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung, &#8230;).<\/p>\n<p>Aber ich mache mir nichts vor, ich bin \u00fcberzeugt, dass ein gesellschaftlicher Umbruch so immer noch viele Jahre dauern w\u00fcrde. Gesellschaften rechnen nicht in Jahren, sondern in Generationen.<\/p>\n<br class=\"fixfloat\" \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wiedeer wird in Deutschland gefragt, ob wir einen moralischen Verfall in der Wirtschaft haben, die zu den vielen Problemen f\u00fchren. Diesen Verfall kann ich zwar durchaus erkennen, es w\u00e4re aber zu einfach, wenn man hier einfach auf die b\u00f6sen Wirtschaftsbosse einhacken w\u00fcrde. Es geht hier eher um einen moralischen Verfall der Gesellschaft an sich. 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