03.07.2013

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Moral in Deutschland

by Tyree
Categories: Politik
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Immer wiedeer wird in Deutschland gefragt, ob wir einen moralischen Verfall in der Wirtschaft haben, die zu den vielen Problemen führen. Diesen Verfall kann ich zwar durchaus erkennen, es wäre aber zu einfach, wenn man hier einfach auf die bösen Wirtschaftsbosse einhacken würde. Es geht hier eher um einen moralischen Verfall der Gesellschaft an sich.

Schon in meiner Kindheit, also in den Achtziger Jahren, war eigentlich jedem klar, dass wir in einer so genannten Ellbogengesellschaft leben würden – also in einer Gesellschafft, in der man sich gegen seine Mitmenschen durchsetzen muss. Also war damals eigentlich schon jedem bewusst, dass unsere Gesellschaft eben nicht das Gemeinsame fördert, sondern eben den Egoismus. Heute sind genau die Menschen, die mit mir groß geworden sind, erwachsen, und selbstverständlich sind sie genau das, sie sind egoistisch und stellen ihre eigene Interessen weit über die Interessen der Gesamtheit.

Natürlich gibt es auch heute noch viele moralische Menschen und viele Menschen, die sich für die Gemeinschaft aufopfern, aber das wird von der Gesellschaft eben viel zu wenig anerkannt. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das. Vergleichen wir doch einmal einen BWL Absolventen mit einem Absolventen der Sozialwissenschaften. Der BWL Student hat sein Studienfach im Normalfall auch wegen der guten Verdienstmöglichkeiten gewählt, der Sozialwissenschaftler wegen einer sozialen Ader, er möchte etwas für die Gesellschaft tun. Nach dem Abschluss arbeitet der BWL Absolvent in der freien Wirtschaft und wird nach wenigen Jahren ein Jahresgehalt von 50.000 bis 60.000 € haben. Der Sozialwissenschafts Absolvent wird in den öffenlichen Dienst gehen und immer wieder nur befristete Arbeitsverhältnisse haben. Er wird auch nach vielen Jahren Berufserfahrung nur auf ein Einkommen von 30.000 bis 35.000 € kommen, damit liegt er noch unter dem Durschschnittsgehalt von Nicht-Akademikern.

Aber auch wenn man das Gehalt einmal außen vor lässt und einmal auf das Ehrenamt schaut, so bekommen auch Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, immer weniger Anerkennung und werden sogar insgeheim belächelt. Ich war in vielen Vereinen aktiv und ein Problem hatten alle diese Vereine: Es gab Probleme die Vorstandposten zu besetzen, weil man die Vereinsleistungen gerne nutzen wollte, aber sich eben nicht ehrenamtlich engagieren.

Der Zerfall der Moral ist also schon extrem tief in der Gesellschaft verwurzelt. Es ist aber eben nicht nur die gehobene Mittelschicht und die Oberschicht, an der man diesen Zerfall feststellt, sondern eben auch die Unterschicht. Auch ein ALG2 Empfänger wird sich, der sich fragt, warum er 40 Stunden pro Woche arbeiten soll, nur um 10 € im Monat mehr zu haben als den ALG2 Satz, denkt eben sehr egoistisch, da er als ALG2 Empfänger der Gesellschaft zur Last fällt, als Arbeiter zu einem extrem kleinen Gehalt aber nicht mehr oder nur noch in einem geringen Maß.

Ich habe als Kind und Jugendliher immer wieder gehört, dass Menschen eben so sind und das die kapitalistische Gesellschaft eben nichts anderes ist, als eine Abbildung der Menschlichen Natur. Ich persönlich habe meine Hoffnung in die Menschheit aber noch nicht verloren. Man erkennt an kleineren Gesellschaften, wie nomadischen Kulturen oder auch einfachen Dorfgemeinschaften, dass ein großer Teil der Menschen sich in Gemeinschaften integrieren können. Ich glaube auch nicht an utopische Zustände, in denen jeder seine eigenen Interessen dem Gemeinwohl unterordnet, aber ich glaube sehr wohl daran, dass es eine bessere Gesellschaft geben kann. Eine Gesellschaft muss Menschen, die sich für sie aufopfern eben besser belohnen als Menschen, die eben nichts fr die Gesellschaft tun.

Wie kann man aber diese Wandlung erreichen? Das wird sicherrlich ein sehr schwieriger Prozess. Zunächst einmal müsste man viel mehr Geld in Erziehung und Bildung investieren, damit die Kinder für eine bessere Gesellschaft vorbereitet werden, denn unsere kinder werden diese Gesellschaft gestalten. Dazu müsste man aber vermeiden, dass die derzeitige Oberschicht ihre Kinder aus diesem System heraushält, also Privatschulen vermeiden, bei guten staatlichen Einrichtungen sind private Einrichtungen aber auch nicht mehr nötig. Kinder würden so mehr Tolleranz und Nächstenliebe lernen und eben nicht den auf eine kompetitive Gesellschaft eingeschworen.

Der nächste Schritt müsste dann zu einer Belohnung der gesellschaftlichen Arbeit führen. Dazu müsste man natürlich alle gesellschaftlichen Berufe attraktiver gestalten (Pflegeberufe, Erzieher, aber auch Polizei und Verwaltung, …). Das ist nicht ohne eine steuerliche Umvereteilung möglich. Aber das bedeutet nicht zwingend, dass man all diese Dinge staatlich organisieren muss und sich so einen großen Staatsapparat schaffen muss, man sollte zum Beispiel auch die Gründung von Non Profit Organisationen fördern (Vereine, gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, …).

Aber ich mache mir nichts vor, ich bin überzeugt, dass ein gesellschaftlicher Umbruch so immer noch viele Jahre dauern würde. Gesellschaften rechnen nicht in Jahren, sondern in Generationen.



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